Welche Gemeinsamkeit haben der Barbara-Weizen, der am 4. Dezember gesät wird, die 13 Desserts und die Pastorale? Alles sind provenzalische Bräuche der Calendale, der Weihnachtszeit, die vom 4. Dezember bis Maria Lichtmess (2. Februar) reicht. Von Generation auf Generation weitergegebene Geschichten, Rezepte und andere Kreationen... diese Traditionen erwärmen im Winter unser Herz.

Die provenzalische Krippe

Die Tradition der Weihnachtskrippe mit ihren Santons (provenzalisch für „kleine Heilige“) ist in der Provence tief verwurzelt.
Jedes Jahr kommen Figuren in allen möglichen Größen zum Vorschein, um uns das Leben unserer Dörfer von einst zu erzählen, Figuren, mit jedem bis ins kleinste Detail dargestellten Beruf. In einem für die Provence typischen Stil, mit Häusern und Dorfplatz, Kirche, Gassen und Brunnen, umsäumt von der Garrigue, den Olivengärten und Lavendelfeldern. So treffen der Müller und sein Esel so auf den Scherenschleifer und die Tamburinspielerin; der Hirte mit seiner Herde begegnet dem Wasserträger, dem Lumpensammler oder dem Kaminfeger...
Neben den Figuren der Geburtsszene können die Santons auch Einwohner eines Dorfes darstellen. In der einheimischen Tracht gekleidet vermitteln sie ein Bild über die Berufe der damaligen Zeit. Wie kleine minutiös ausstaffierte Statuetten lassen sie uns das Dorfleben von früher nachempfinden.

Ebenso beeindruckend: Seit 1844 erwecken die Pastorale (Krippenspiel mit Text und Gesang) die Weihnachtsgeschichte zum Leben. Die berühmteste Pastorale stammt von Antoine Maurel.
- Am 23. Dezember zeigt dem Besucher das hübsche Dorf Séguret seine lebende Krippe und die Pastorale.
Eine weitere sehenswerte Krippe mit beeindruckendem Dekor ist in der Chapelle des Corps Saints in Avignon oder im Office de Tourisme in Carpentras aufgebaut.
- Der Krippenweg von Castellet, am 15.12 ab 16 Uhr: Krippenausstellung auf den Straßen des Dorfes. Musiker und Folkloregruppen beleben die Gassen.
Die Provence ist das Land der Santonniers, der Figurenmacher. Geschickte Künstler modellieren und bemalen Ton oder Steingut, um diesen berühmten Figuren Gestalt zu verleihen. Es wundert nicht, dass viele Santonniers in der Vaucluse arbeiten, inspiriert von den Geschichten und Traditionen dieser Region.

Krippen und Santons sehen

Ein Besuch bei den Santonniers

Statten Sie den Werkstätten einen Besuch ab, Sie werden in die Kindheit versetzt! Im Süden des Luberon finden Sie die Werkstatt von Daniel Galli, Meilleur Ouvrier de France, oder das Atelier Oustau d‘Antan in Jonquerettes.
In Brantes finden Sie bei Véronique Figuren aus Ton in schimmernden Farben, Steingut-Figuren und Krippen. Vor allem mit der Reihe ihrer blauschimmernden Figuren möchte die Künstlerin dem traditionellen Bild der Santons ein moderneres Aussehen verleihen.
Öffnungszeiten täglich von 10:00 bis 12:30 Uhr und von 14:30 bis 18:30 Uhr.

Die Salons des Santoniers sehen


An einem kreativen Santon-Workshop für Kinder mitmachen, unter Anleitung eines kundigen Santonniers!


Die 13 Desserts

Kein Weihnachten in der Provence ohne die 13 Desserts . Christliches Symbol für Jesus und seine Jünger oder das Symbol der Wiedergeburt in der heidnischen Kultur, die 13 Desserts dürfen zu unserer größten Gaumenfreude auf keiner provenzalischen Tafel fehlen! Bereits für ihre Vorbereitung finden sich Familien und Freunde gerne ein, aber eigentlich noch lieber für... ihren Verzehr.

Nüsse oder Haselnüsse, getrocknete Feigen, Mandeln und Rosinen, mit oder ohne Marzipan. Diese Trockenfrüchte, mendiants (Bettler) genannt, versinnbildlichen die vier religiösen Orden, die ein Armutsgelübde abgelegt haben. Die Datteln, das Quittenbrot und das Pompe à l‘Huile (süßes Hefebrot) haben einen guten Platz neben den Croquants und anderen Zitronen- und Anisplätzchen... Nicht fehlen dürfen der weiße und schwarze Nugat und das Pain d‘Epice (Gewürzkuchen), dessen traditionelles Rezept wir Ihnen hier vorstellen. Sie können aus dem Teig auch Sterne, Monde, usw. ausstechen.

Pain d‘Epice - traditionelles Rezept:
- 250 g Mehl
- 1 Beutel Backpulver
- 50 g brauner Zucker
- 25 g Butter
- 20 cl Milch
- 2 Gewürznelken
- 3 Esslöffel Honig
- 1 Esslöffel Zimtpulver oder Orangeat

Die Milch mit den Gewürznelken erhitzen.Nach den ersten Wallungen die Hitze drosseln. Den Honig und den braunen Zucker dazugeben und umrühren, bis sie sich aufgelöst haben. Von der Kochstelle nehmen. In einer Schüssel das Mehl, das Salz, das Backpulver und alle Gewürze mischen. Eine Kaiserkuchenform fetten. Die Gewürznelken aus der handwarm abgekühlten Milch nehmen. Die Milch zu den anderen Zutaten geben und alles zu einem geschmeidigen, glatten Teig arbeiten. Den Backofen vorheizen, Thermostat 5/6 - 160°C - Backzeit: etwa eine Stunde, Garzustand regelmäßig mit einem Holzstäbchen testen.

Nachtisch

Pralinen und glasierte Maronen reihen sich in den Reigen ein und werden von Clementinen begleitet, die den Gaumen erfrischen. Auch kandierte Früchte werden geliebt. Die Hauptstadt der kandierten Früchte, Apt, liegt ja auch in der Vaucluse! Ja, in der Vaucluse gibt es eine Schatzhöhle für kandierte Früchte: La Maison du fruit confit, zwischen Lourmarin und Roussillon. Ein Festival kristallisierter Farben: rot, grün, orange. Kandierte Früchte gehören zu den 13 traditionellen Weihnachtsdesserts. Sie schmecken das ganze Jahr über und natürlich auch an Weihnachten!